Gespräche mit (m)einer Frau -

Mißglückte Versuche, eine Frau zu verstehen

Ein Lehr- und Anschauungsbuch

von Bodo Wenzlaff

(Auswahl von Gesprächen, die im mdr und in der ARD als Sketsche gezeigt worden sind)

 

Inhalt

Vorbemerkung und die Gespräche 4, 8, 10, 22, 26, 32, 34

 

Vorbemerkung

Die meisten Partner in einer Ehe oder eheähnlichen Beziehung wissen, daß das Verständnis des anderen in der Regel nicht oder doch nur in engen Grenzen möglich ist. Darum entstand ja auch der Feminismus, die Notwehr der Frau gegen das Unverständnis des Mannes. Der Mensch als Frau wunderte sich, daß der Mensch als Mann nicht begreifen konnte oder wollte, was „Frau" sagte oder wollte oder fühlte. Der Feminismus sollte das ändern. „Mann" hätte das zu lernen, weil das ja einfach wäre, denn „Frau" konnte es ja bereits. Sollte der Mann soviel dümmer sein als die Frau?

Den Feminismus in eine Beziehung hineintragen zu wollen, unterstellt aber ein folgenschweres Mißverständnis: Der Versuch kann ja nur glücken, wenn man davon ausgehen darf, daß es einer Frau keinerlei Schwierigkeiten macht, einen Mann zu verstehen. Jede Frau meint, diese Fähigkeit zu besitzen. Sie müsse das nicht einmal erlernen, sondern es sei ihr angeboren. Dieses beneidenswerte weibliche Selbstverständnis, dieses Urvertrauen in ihren Instinkt, stößt nun auf die Widerborstigkeit des Mannes. Während der Mann also offen zugibt, daß ihm das Weib ein „ewiges Rätsel" ist und bleiben wird, ist im Denken und Fühlen einer Frau ein ähnliches Gefühl für den Mann überhaupt nicht vorhanden. Was ein Mann auch immer denkt und sagt und fühlt, die Frau ist überzeugt, ihn restlos zu durchschauen. Ein Mann sei für sie ein offenes Buch. Er kann zwar gemein sein, lügen und betrügen - was Frauen natürlich auch können -, aber ein Rätsel ist er für sie in keinem Falle. Das denken sie zumindest.

Makulinismus ist, wenn man sich nicht nur auf die gesellschaftlich bedingten Benachteiligungen der Frauen im praktischen Leben beschränkt, sondern sich auch auf die geistigen Hintergründe der Mann-Frau-Beziehungen einlassen will, die symmetrische Kehrseite zum Feminismus. Und das heißt, den Frauen klarzumachen, daß sie nichts, aber auch gar nichts von der Psyche eines Mannes verstehen. Sie müssen begreifen lernen, daß ihre Art zu denken und zu fühlen zwar erlaubt, ehrenwert und auch der menschlichen Gattung gemäß ist, aber eben nur die weiblichen Exemplare kennzeichnet. Zum ganzen Menschengeschlecht gehört auch der Mann. Erst wenn Maskulinismus und Feminismus nicht den Sieg über das Andersartige erstreben, sondern ein Bündnis, etwa wie bei befreundeten Ländern, die sich über gemeinsame Interessen abstimmen, aber dennoch nie ihre territoriale Integrität aufgeben, wird Ruhe, Frieden und Glück in die meist so komplizierten Beziehungen zwischen den verschiedengeschlechtlichen Partnern einziehen.

Mein Buch richtet sich nicht nur an die verunsicherten Männer, die zu einem nicht geringen Teil fast übermenschliche Anstrengungen unternommen oder sich vorgenommen haben, um den feministischen Erwartungen zu entsprechen, sondern auch an die Frauen, die bei all ihrer Hoffnung auf den Feminismus doch nicht aufhören sollten, sich selbst auch mal aus der Sicht des Mannes betrachten, wiedererkennen und aushalten zu lernen. Eine gute Beziehung ist dadurch gekennzeichnet, daß man gelernt hat, sich auch mit den Augen des anderen zu sehen - und sich dennoch wiedererkennt. Wie viele leiden darunter, gar nicht oder immer nur falsch verstanden zu werden. Das ist dann die berühmte „Einsamkeit zu zweit".

Etwas davon ist zwangsläufig in jeder Beziehung, weil sie nur als eine solche Balance zwischen Verständnis und Unverständnis lebendig sein und bleiben kann. Dieses ständige Bemühen, den anderen verstehen zu wollen, wenigstens so weit das überhaupt möglich ist, kennzeichnet die glückliche Beziehung. Es ist die Liebe zum anderen, die uns immer wieder vorgaukelt, dem Verständnis des anderen ein Stückchen näher gekommen zu sein, wodurch wir natürlich auch selbst gewachsen sind. Wenn in einer Beziehung schon von vornherein ähnliche Interessen, gleiches Temperament und vergleichbare Lebensziele vorhanden waren, ist die Chance, diese Beziehung zu stabilisieren, anfangs sehr groß. Es besteht aber die Gefahr, daß gerade der äußerste Gegensatz zum eigenen Wesen dann, wenn er leibhaftig in Erscheinung tritt, wie ein Magnet wirkt, über sich selbst hinauswachsen zu wollen. Die alte Beziehung hat sich erschöpft, weil es nichts Aufregendes und Anregendes mehr am anderen zu entdecken gibt.

Wenn aber im Gegensatz zu diesem „Gleich zu Gleich gesellt sich gern" das „Gegensätze ziehen sich an" zum Ausgangspunkt einer Beziehung wird, könnten beide Partner trotz aller Bemühungen sehr schnell überfordert sein. Die Beziehung beginnt vielleicht als eine unwiderstehliche Leidenschaft, aber die Umwandlung in die stetige Kraft der Liebe, den anderen in seinem Anderssein immer besser verstehen zu wollen, glückt deshalb nicht, weil gerade das extrem Andere auch das extreme Infragestellen des Eigenen erfordert, ohne es natürlich aufgeben zu wollen und zu können. Meist läßt auch der alle Kräfte erfordernde Berufsalltag kaum noch Raum für das liebevolle Bedürfnis, sich intensiv und mit ganzer Hingebung auf die Denk- und Gefühlswelt des anderen einzulassen. Und - einmal allein gelassen sein oder sich zumindest so zu fühlen - baut sofort die erste Hürde auf. Statt eine Beziehung zur Entfaltung zu bringen, müssen dann erst mal die Hürden wieder abgebaut werden. Andernfalls wandelt sich die Paar-Beziehung zwangsläufig in die Registrierung und Verwaltung der gegenseitig errichteten Hürden.

Am anschaulichsten zeigt sich das Maskulinismus-Feminismus-Phänomen in den Gesprächen zwischen Mann und Frau, die über die reine Regelung von Sachproblemen hinausgehen und die Seele des anderen ansprechen. Immer, wenn man in einem Gespräch gezwungen oder auch nur angeregt wird, sich über die geistigen Welt des anderen Gedanken zu machen, entsteht dieser Anflug von gelungener oder mißglückter Nähe. Je mehr das dann selbst wieder zum Gegenstand ihrer Gespräche wird, zeigen sich die magnetischen Anziehungskräfte zwischen männlicher und weiblicher Psyche in der gemeinsamen Erkundung der Abgründe, die zwischen ihnen bestehen. Liebe ist ja nicht die Selbstbespiegelung im anderen, sondern die phatasievoll gebaute Brücke über diesen Abgrund, über die man so gerne gehen möchte aber nicht kann.

Mein Buch ist die Deutung solcher Gespräche - natürlich aus der Sicht des Mannes. Darum klingt auch im Titel der Maskulinismus an. Es ist also die halbe Wahrheit, die da zum Vorschein kommt. Es soll den Leser herausfordern, die ganze Wahrheit durch hinzudenken des Feminismus herauszufinden. Maskulinismus ist das Gegenteil von einem frauenfeindlichen Macho-Verhalten des Mannes.

Meine kleine "Mutschatscha" (man schreibt es "muchacha", was im Spanischen so viel wie "kleines Mädchen" bedeutet) stellt mir - sie nennt mich meist ihren "Matscho" (geschrieben "macho") - oft sehr merkwürdige Fragen, aus denen sich dann lange Gespräche entwickeln können, aber nach einer gründlichen Klärung wird alles meist noch verwickelter, als es vorher war. Aber wer kennt solche Gespräche nicht? Nachdem der Feminismus auch uns Männer eingeholt und unser natürliches Bemühen um die Zuneigung der Frauen in einen überkritischen Anspruchsrahmen gestellt hat, haben nunmehr auch die Gespräche zwischen Mann und Frau einen unübersehbaren Bezug auf die geschlechtsspezifische Verschiedenheit der Wünsche und Erwartungen, die derartige Wortgefechte häufig begleiten. Vor allem ist es der fundamentale Unterschied zwischen der weiblichen und der männlichen Logik der Argumentation, die auf den jeweils anderen ja Eindruck machen soll. Manchmal verselbständigt sich diese Logik auch zu einem bloßen Spiel, zur reinen Wortakrobatik, die dann ihren eigenen Reiz besitzt, weil sie ohne jegliche aggressiven Gefühle die unterschiedlichen Denkwelten offenbar werden läßt.

Wie sich solche Gespräche abspielen, die zwischen Feminismus und Maskulinismus hin und her pendeln und manchmal auch verständnisvoll zu vermitteln suchen, mag von der Sache her nicht gerade sehr informativ sein, von den sich offenbarenden Welten aber, durch die Mann und Frau getrennt sind, spiegeln sie auf eine merkwürdige und interessante Weise das Wesen dieser Welten in ihrem Zusammenprall.

Es geht mir somit nicht um eine Analyse und Wertung der Vor- und Hintergründe des Feminismus oder der Entwicklung von maskulinen Antwortstrategien, sondern um die schlichte und fast dokumentarisch anmutende Darstellung der meist unüberbrückbar zwiespältigen Gesprächssituation, wie sie sich immer wieder ergibt.

 

4. Warum 20 Liter?

Jeder las in einer anderen Zeitung. Es war üblich, daß wir plötzlich den anderen in das hineinzogen, was uns gerade mitgeteilt wurde. Lesen und Gespräche gingen so ineinander über. So war es auch bei dem folgenden Gespräch:

Sie: Was ist eine DIN-Norm?

Ich (von meiner eigenen Lektüre aufblickend): Die deutsche Industrienorm für Erzeugnisse und Fertigungsprodukte.

Sie: Und wozu das?

Ich: Bestimmte technische Parameter müssen eingehalten werden.

Sie: Was für Meter?

Ich: Technische Bestimmungsgrößen, damit die Qualität des Produktes gewährleistet ist.

Sie: Kennst Du die DIN-Norm für einen Kondom?

Ich war verblüfft. Was sollte das? Aber sie sah mich so sachlich fragend an, daß ich pflichtgemäß antwortete:

Ich: Nein, aber ich könnte mir denken, daß es die gibt.

Sie: Die gibt es wirklich.

Ich: Und woher weißt Du das?

Sie: Aus der Zeitung.

Ich: Wie interessant.

Sie: Ist es auch. Ein Kondom muß 16 cm lang sein, sich sechsmal so lang ziehen lassen und 20 Liter Wasser aufnehmen, ohne zu platzen.

Ich war wirklich erstaunt, weil ich das so einem Ding gar nicht zugetraut hätte. Aber ich hatte noch keine Ahnung, was es weiter darüber zu reden gäbe.

Ich: Eine ganz schöne Leistung!

Sie: Warum 20 Liter?

Ich sah sie verblüfft an und überlegte, in welche Richtung das eigentlich gehen soll.

Ich: Das weiß ich doch nicht. Wahrscheinlich wegen der Strapazierfähigkeit.

Sie: 20 Liter, das sind zwei Wassereimer voll!

Wieder war sie Opfer ihres ganz anschaulichen Denkens. Ein anderer hätte vielleicht Hintergedanken gehabt. Sie nicht:

Ich: Eine ganze Menge.

Sie: 10 Liter wäre schon sehr sehr viel. Warum 20 Liter?

Ich: Man will eben ganz sicher gehen.

Sie: Aber das ist doch weit übertrieben!

Ich: Es geht doch nicht um die 20 Liter.

Sie: Doch, ich hab's gelesen.

Ich: Ich meine nicht im wörtlichen Sinne.

Sie: Und wie sonst?

Ich: Es geht um die Stabilität, die man auf diese Weise mißt.

Sie: Die könnte man auch anders messen.

Ich: Vielleicht. Aber mit Wasser geht das vielleicht am einfachsten.

Sie: Aber warum 20 Liter, wo man einen Kondom doch niemals als Wassereimer benutzen würde.

Ich: Die Belastung, die ein Kondom aushalten muß, läßt sich vielleicht vergleichen mit dem Ertragen von 20 Liter Wasser.

Sie: 20 Liter Wasser sind so schwer, daß man sie mit einer Hand gar nicht tragen könnte.

Ich: Es geht ja auch gar nicht ums Schwersein.

Sie: Wenn es darum auch nicht geht, warum dann die 20 Liter?

Ich: Ich weiß es nicht.

Sie: Das hättest Du doch gleich sagen können! Und wer müßte das Deiner Meinung nach wissen?

Ich: Wahrscheinlich nur die DIN-Behörde.

Sie: Ob ich da mal hinschreibe?

Ich: Die Antwort würdest Du noch schlechter verstehen als meine.

Sie: Die müssen sich bei den 20 Litern doch etwas gedacht haben!

Sie ließ nicht locker. Sie konnte sich einfach keinen sinnvollen Zusammenhang zwischen den sinnlichen Extremen finden, der zwischen der Vorstellung eines Kondoms und einem Eimer mit 20 Litern Wasser bestehen könnte.

Ich: Vielleicht.

Sie: Du denkst, die haben sich gar nichts dabei gedacht?

Ich: Das denke ich nicht.

Sie: Also, was haben die sich bei den 20 Litern gedacht?

Ich: Ich weiß es nicht.

Sie: Du tust immer nur so, als ob Du alles weißt. In Wirklichkeit weißt Du nicht mal, warum in einen Kondom 20 Liter Wasser hineinpassen müssen!

Sie war enttäuscht, daß es auf ihre klare Frage keine klare Antwort gab. Und daran war ich schuld. Es tat mir leid, und doch konnte ich ihr nicht helfen.

 

8. Wie siehst du denn wieder aus?!

Diese Frage ist beliebig wiederholbar. Sie ist eigentlich keine Frage, sondern eine verkleidete Feststellung, für die es eben immer wieder neue Gelegenheiten gibt:

Sie: Wie siehst Du denn wieder aus?

Ich (wohl wissend, wohin die Reise geht, aber doch um ablenkende Verwirrung bemüht): Unausgeschlafen?

Sie: Das meine ich nicht.

Ich: Sehe ich krank aus?

Sie: Man könnte krank werden, wenn man Dich so sieht!

Ich: Übertreibst Du nicht?

Sie: Manchmal glaube ich, Du denkst Dir das alles bloß aus, um mich zu ärgern.

Ich: Ganz bestimmt nicht.

Sie: Wie oft habe ich Dir schon gesagt, daß Du diese verbeulte Hose nicht mehr anziehen kannst!

Ich: Wieso? Sie ist doch noch gut.

Das war die Überleitung zu einem zähen Ringen um Sein oder Nichtsein eines Kleidungsstückes, dem die Treue zu halten ich mich verpflichtet fühlte:

Sie: Ich hätte sie schon lange in die Lumpen schmeißen sollen.

Ich: ... um mich zu ärgern?

Sie: Du bist ein so schöner Mann, aber wie Du Dich anziehst!

Ich: Eine Hose muß in erster Linie bequem sein.

Sie: Wenn eine Hose alt und unansehnlich geworden ist, kann man sie nicht mehr tragen.

Ich: Man kann sie noch tragen.

Sie: Hast Du überhaupt nicht das Bedürfnis, Dich ein bißchen schick anzuziehen?

Ich: Ich finde die Hose nicht häßlich.

Sie: Ich würde mich zu Dreck schämen, wenn wir überraschend Besuch bekämen.

Ich: Ich kann doch zu Hause nicht ständig wie ein Lackaffe herumlaufen.

Sie: Das verlangt ja keiner. Aber wie ein Penner mußt Du auch nicht laufen.

Ich: Niemand würde mich wegen meiner Hose als Penner einstufen.

Sie: Und als was sonst, bitte?

Ich: Als einen ganz normalen Mann.

Sie: Denk mal an Anton. Glaubst Du, der würde je so herumlaufen? Nicht mal bei der Gartenarbeit würde er Deine Hose anziehen.

Ich: Die paßt ihm auch gar nicht.

Sie: Ich finde das gar nicht lustig.

Ich: Und warum hast Du nicht einen Mann wie Anton geheiratet?

Sie: Weil ich dachte, aus Dir einen ordentlichen Menschen machen zu können.

Ich: Hast Du doch auch. Aber meine Hose lasse ich mir nicht vermiesen.

Sie: Du hast soviele andere Hosen, die wir zusammen gekauft haben.

Ich: Eben.

Sie: Was heißt eben?

Ich: Daß sie Dir gefallen.

Sie: Und Dir nicht?

Ich: Doch. Aber sie sind nicht so bequem.

Sie: Zieh' doch die blaue Hose an. In der gefällst Du mir immer sehr gut.

Ich: Die kneift am Bauch.

Sie: Dann mußt Du eben weniger essen.

Ich: Gut, aber das dauert Wochen.

Sie: Und was ist mit der hellen Anzugshose?

Ich: Die ist zu schade. Da ist ja dann bald der ganze Anzug hin.

Sie: Du ziehst ihn ja sowieso kaum an.

Ich: Trotzdem.

Sie: Dann müssen wir Dir eben eine neue Hose kaufen.

Ich: Aber wieso, meine ist doch so richtig gut eingetragen.

Sie: Abgetragen, mein Lieber!

Ich: Wenn etwas gut eingetragen ist, dann ist es eben auch ein bißchen abgetragen.

Sie: Ein bißchen? Daß ich nicht lache!

Ich: Warum gönnst Du mir meine schöne Hose nicht?

Sie: Die moralische Masche zieht nicht. Hier geht's um Ästhetik. Aber davon hast Du wohl noch nie was gehört.

Ich: Doch, gehört schon, aber nicht, daß auch meine Hose darunter fällt.

Sie: Die Kleidung ist die Visitenkarte eines Menschen.

Ich: Ist das von Dir?

Sie: Das weiß jeder.

Ich: Visitenkarten gibt man wildfremden Menschen, aber wir beide kennen uns ja bereits lange genug.

Sie: Würde es Dir gefallen, wenn ich hier im Hause wie eine Schlampe herumliefe?

Ich: Nein. Aber Du bist ja auch eine Frau.

Sie: Und Männer dürfen ihren Frauen einen solchen Anblick bieten?

Ich: Meine Hose ist vielleicht nicht ganz ansehnlich, aber häßlich bestimmt auch nicht. Aber wenn sie Dir so sehr mißfällt, dann ziehe ich eben eine andere an.

Sie: Und wie oft hast Du das schon versprochen?

Ich: Ich habe es mir oft auch fest vorgenommen, aber manchmal vergesse ich es eben.

Sie: Manchmal? Du meinst immer!

Ich: Darf ich heute ausnahmsweise meine Hose anbehalten?

Sie: Heute will ich noch mal drüber wegsehen.

 

Ich erreicht den Hof mit Müh' und Not ... Lange hatte ich keine Freude mehr an meiner Hose. Sie wurde endgültig ausgemustert. Schade!

 

10. Warum drückst du immer vorn und nicht hinten?

Ich will nicht sagen: an jedem Morgen, aber doch oft genug werde ich mit einem Thema konfrontiert, für das es offenbar keine Lösung gibt:

Sie (demonstriert an der geöffneten Zahnpastatube, daß es auch der Dümmste begreifen müßte): Wie oft habe ich Dich schon gebeten, die Zahnpastatube ganz hinten und nicht vorn zu drücken!

Ich: Jeden Morgen dasselbe Thema!

Sie: Liegt das an mir?

Ich: Nein, am Thema.

Sie: Habe ich nicht recht?

Ich: Ein solches Thema kennt weder Recht noch Unrecht.

Sie: Sondern?

Ich: Kompromißbereitschaft.

Sie: Sollen wir beide fortan in der Mitte drücken? So ein Schwachsinn!

Ich: Nein, nicht in der Mitte. Du hinten und ich vorn. Und irgendwann treffen wir uns dann.

Sie: Wenn die Tube leer ist.

Ich: Siehst Du, dann wäre die Übereinstimmung.

Sie: Aber mit der vollen Tube finge alles wieder von vorn an.

Ich: So ist das Leben: Dissens und dann wieder Konsens.

Sie: Ich will, daß Du auch die volle Tube von hinten drückst.

Ich: Aber dann hat doch die Zahnpasta einen ganz langen Weg!

Sie: Das interessiert mich nicht.

Ich: Aber mich.

Sie: Was soll daran so interessant sein? Alles rückt gleichmäßig von hinten nach vorn.

Ich: Woher weißt Du das?

Sie: Na hör mal!

Ich: Ganz hinten ist bei Deiner Methode der Druck am größten. Und dann entspannt er sich auf seinem Wege nach vorn. So ist das, physikalisch gesehen.

Sie: Deine blöde Physik kann nichts daran ändern, daß ein normaler Mensch hinten drückt.

Ich: Erstens gehört diese blöde Physik allen gutwilligen Menschen, und zweitens bin ich völlig normal.

Sie: Ich hab ja auch schon versucht, Dir Deine eigene Tube zu kaufen. Dann kannst Du meinetwegen drücken, wo Du willst. Aber was passiert dann? Na?

Ich: Woher soll ich das wissen.

Sie: Du nimmst wieder meine!

Ich: Tatsächlich?

Sie: Und weißt Du auch, warum? Weil ich Dir dann von hinten wieder die Zahnpasta nach vorne drücke. Sonst würde Deine Unart gar nicht funktionieren!

Ich: Also, bisher hat es immer funktioniert: Ich drücke, und auf kürzestem Wege kommt die Zahnpasta angeschossen.

Sie: Weil ich dafür sorge, daß inzwischen die Zahnpasta wieder vorn ist.

Ich: Aber wenn wir beide hinten drücken würden, käme ja gar keiner in den Genuß, die Zahnpasta vorn drücken zu können.

Sie: Das ist ja der Gipfel!

Sie nahm meine Argumente ganz pur. Sie hatte sich so in Rage geredet, daß sie die leichte Ironie bei der Verteidigung meiner Position völlig übersah:

Ich: Nein, die reine Wahrheit. Wir könnten ja auch beide vorn drücken.

Sie: So ein Unsinn, dann wäre die Zahnpasta ja dauernd hinten, und wir drücken vorn.

Ich: Man müßte dann natürlich immer wieder etwas nach vorn holen.

Sie: Und das wäre wieder mal ich!

Ich: Woher willst Du das wissen?

Sie: Weil Du Dir eher keine Zähne putzen würdest als auch nur eine kleine Mühsal auf Dich zu nehmen!

Ich: Du übertreibst.

Sie: Ich finde es einfach unästhetisch, wenn die Tube hinten voll und vorne leer ist.

Ich: Du brauchst sie nur mit dem Kopf nach unten in den Zahnputzbecher zu stellen.

Sie: Ich weiß ja, daß sie im Kopf leer ist, und das ließe mir keine Ruhe. Ich würde mich schon ärgern, bevor ich die Tube überhaupt anfasse.

Ich: Glaubst Du, es macht einer Zahnpastatube etwas aus, wenn sie einen hohlen Kopf hat?

Sie: Mir macht es etwas aus.

Ich: Ich begreife nicht, wie man sich darüber ärgern kann.

Sie: Also, ich bitte Dich zum letzten Mal: drücke die Zahnpasta hinten und nicht vorn!

Ich: Ich werde es versuchen. Aber nur Dir zuliebe!

Ich hatte es schon so oft versprochen und war auch ehrlich bemüht, aber morgends bin ich immer noch so müde, daß ich keinen klaren Gedanken fassen kann ... Und so passiert es dann eben ...

 

22. Was suchst du denn da?

Es gibt zwischen Mann und Frau stets eine Reihe von Rechtfertigungsgesprächen. Darin offenbart sich häufig die völlig unterschiedliche Logik, wobei die weibliche Logik nach meinen Erfahrungen stets an die Situation angepaßt ist, daher aber auch kaum auf andere Bedingungen übertragbar ist. Frauen entwickeln für jeden konkreten Fall eine neue Sachlogik. Wer da nicht folgen kann, dem erscheint weibliche Logik als die reine Unlogik.

Männliche Logik dagegen ist meist abstrakt. Es gibt kaum wirkliche Situationen, auf die sie voll anwendbar ist. Immer wirkt sie wie ein lebensfremdes Kuriosum. Dennoch ist sie verläßlich, ohne Sprunghaftigkeit und von durchsichtiger Klarheit.

Sie: Ich glaube mich trifft der Schlag! Was machst Du denn da. Willst Du umziehen?

Ich: Siehst Du nicht, daß ich etwas suche?

Sie: Ich sehe nur, daß Du den ganzen Küchenschrank ausgeräumt hast.

Ich: Du übertreibst wieder mal!

Sie: Ich brauche mindestens eine Stunde, bis alles wieder eingeräumt ist.

Ich: Erst mal muß ich fündig werden.

Sie: Was suchst Du denn?

Ich: Das kleine Marmeladenglas.

Sie: Das ist doch längst leer.

Ich: Eben. Darum suche ich es ja. Ich brauche es für meine Büroklammern.

Sie: Warum hast Du mich denn nicht gefragt?

Ich: Hast Du mir nicht dauernd gesagt, ich solle Dich nicht immer fragen, sondern ruhig selbst mal die Augen aufmachen?

Hier ist der Unterschied mit Händen greifbar: Sie hat mir tatsächlich dauernd gesagt, ich solle sie nicht immer nach solchen banalen Dingen fragen. Doch für diese konkrete Situation trifft das nun plötzlich nicht zu:

Sie: Wenn's bloß die Augen wären. Alle Schranktüren hast Du aufgemacht und gewühlt wie ein Wildschwein!

Ich: Du legtest früher mehr Wert auf eine gewählte Sprache!

Sie: Da ahnte ich auch noch nicht, wozu Du fähig bist.

Ich: Wegen der paar Teller und Tassen brauchst Du doch nicht solch Gewese zu machen.

Sie: Du vergißt die Flaschen, Pfannen und Töpfe!

Ich: Man muß nicht alles einzeln aufzählen. Es ist ja alles deutlich zu sehen.

Sie: Ich sehe sehr deutlich, was Du wieder angerichtet hast.

Ich: Ich dachte natürlich, daß Ordnung in Deinen Schränken herrscht. Dann hätte ich das Glas auch gleich gefunden.

Das ist typische Männerlogik: Es geht um den prinzipiellen Zusammenhang von Ordnung und erfolgreichem Suchen. Da ich nicht gefunden habe, was ich gesucht habe, kann auch von Ordnung nicht die Rede sein:

Sie: Du hättest es gar nicht finden können. Es ist nämlich längst in den Müll gewandert.

Ich: Doch nicht das schöne Glas! Das hast Du fertiggebracht?

Sie: Der ganze Keller ist voll mit Gerümpel, was angeblich noch zu irgend etwas gebraucht werden kann. Soll ich jetzt auch noch die Marmeladengläser aufheben?

Ich: Nicht d i e Marmeladengläser, sondern d a s Glas, das ich gerade suche.

Sie: Wie konnte ich wissen, daß Du gerade d i e s e s Glas brauchen könntest?

Das ist eine heikle Frage! Woher sollte sie es wissen? Aber ist das nicht ein zusätzliches Argument für die Richtigkeit meiner Logik? Gerade weil sie es nicht wußte, durfte sie das Glas unter keinen Umständen wegwerfen:

Ich: Siehst Du, Du konntest es nicht wissen und hast es dennoch weggeworfen!

Sie: Weil ich nie und nimmer geahnt hätte, daß Du gerade dieses Glas behalten willst.

Ich: Und warum hast Du mich nicht gefragt?

Sie: Ich kann Dich doch nicht bei jedem Glas fragen, ob es weg kann.

Ich: Aber wegwerfen kannst Du es ohne jede Rücksicht auf mich!

Sie: Du hast es doch all die Tage auf dem Tisch gesehen, als es noch voll war. Hättest Du da nicht sagen können: Wirf das Glas bitte nicht weg. Ich brauche es noch?

Ich: Als es noch voll war, habe ich es ja noch nicht gebraucht.

Das ist die reine Wahrheit! Man kann doch nicht schon im voraus jede Kleinigkeit wissen. Alle Kreativität wäre dahin, könnte man nicht aus dem Augenblick heraus eine Entscheidung treffen. Ich hatte mich gerade erst ganz spontan für das Glas entschieden!

Sie: Es ist Dir also erst jetzt eingefallen?

Ich: So ist es. Und darum suche ich es jetzt.

Sie: Du meinst, Du hast gesucht, denn ich sagte Dir ja bereits, daß es im Müll gelandet ist.

Ich: Du sagtest es, aber erstens weißt Du selbst niemals genau, wo etwas geblieben ist, und zweitens muß ich dann nach etwas anderem suchen.

Sie: Wonach suchst Du denn nun schon wieder?

Ich: Nach einem Ersatz für das Glas, daß Du nicht aufheben konntest, weil ich es gebrauchen könnte.

Das war ein grandioser Schlußpunkt! Sie war sprachlos.

 

25. Hilfst du mir beim Kofferpacken?

Bevor die große Reise losgehen kann, gibt es noch sehr viele unangenehme Vorbereitungen. Frauen sind da meist besonders nervös und gereizt, weil sie immer wieder Zweifel haben, es auch alles zu schaffen. Da bleiben Gespräche wie das folgende kaum aus:

Sie: Hilfst Du mir beim Packen?

Ich: Im Prinzip schon.

Sie: Nur im Prinzip und nicht wirklich?

Ich: Im Prinzip schließt die wirkliche Hilfe ein. Sonst wäre es doch kein Prinzip.

Sie: Bei Dir bin ich mir da nicht so sicher.

Ich: Aber wenn ich es Dir doch sage!

Sie: Und warum sagst Du nicht einfach "ja"?

Ich: Weil "im Prinzip" immer auch bedeutet, daß zuvor einige Grundsatzfragen geklärt sein müssen.

Sie: Und die sind nicht geklärt?

Ich: Für mich nicht.

Sie: Und was ist unklar?

Ich: Was bei jeder unserer Reisen passiert: Wir haben zuviel mitgenommen, aber gerade das, was nötig wäre, nicht.

Damit hatte ich das Gespräch auf einen höchst brisanten Punkt gebracht. Dabei gab es "im Prinzip" zwischen uns gar keine Meinungsverschiedenheiten darüber, daß - im nachhinein betrachtet - wir tatsächlich immer zuviel mitgeschleppt hatten. Aber v o r einer Reise programmatisch diese Frage zu stellen, versprach nichts Gutes. Es war eine Art Anklage vor der Ausführung des Verbrechens:

Sie: Mir passiert das nicht. Wenn Du ein Buch lesen willst, was Du gar nicht eingepackt hast ...

Ich: ... was D u nicht eingepackt hast!

Sie: An Deine Dinge mußt Du schon selber denken!

Ich: Für meine Dinge ist ja gar kein Platz, weil alles mit Deinen Sachen vollgestopft ist, als wollten wir zur Modenschau.

Das war unbedacht und geradezu tollkühn formuliert, eine unbeabsichtigte Provokation.

Sie: Ich kann doch nicht zwei Wochen lang in ein und derselben Hose herumlaufen!

Ich: Dann nimmst Du eben zwei mit, aber doch nicht sechs!

Sie: Ich habe niemals sechs Hosen mitgenommen. Soviel Hosen habe ich gar nicht!

Ich: Dann waren es eben fünf.

Sie: Du solltest Dich freuen, wenn ich gut angezogen bin.

Ich: Ich freue mich ja auch, aber es geht ums Prinzip.

Sie: Was für ein Prinzip?

Ich: Man nimmt nicht so viel Sachen mit. Das ist ein ständiges Gekrame und Gesuche. Da kommt man überhaupt nicht zur Ruhe.

Sie: Ich habe immer alles auf das Notwendigste reduziert. Aber wie das Wetter wird, weiß kein Mensch.

Ich: Wir haben jetzt Sommer, und wir fahren auch nicht auf den Nordpol.

Sie: Aber kühle Tage und Abende könnte es doch geben. Da ist man dann froh, daß man einen Pullover anziehen kann!

Ich: Aber doch nicht drei!

Sie: Ich kann doch jetzt noch nicht wissen, welchen von den Dreien ich vielleicht anziehen werde.

Ich: Wahrscheinlich gar keinen!

Sie: Das kannst Du überhaupt nicht wissen.

Ich: Darum sagte ich ja auch "wahrscheinlich".

Sie: Also die drei Pullis sind so leicht, daß ich sie mir von Dir nicht ausreden lasse.

Ich: Die Unterwäsche, die Du da schon zurechtgelegt hast, würde sicher für einige Monate ausreichen.

Sie: Das ist maßlos übertrieben. Dreimal zum Wechseln, das muß schon sein.

Ich: Dreimal am Tage?

Sie: Ich finde das gar nicht witzig!

Ich: Können wir nicht wie andere Menschen auch mit einem einzigen Koffer und einer Tasche reisen?

Sie: Wenn Du mir sagst, was wir nicht brauchen werden, bitte, dann werden wir es zu Hause lassen, aber auf Deine Verantwortung!

Ich: Du fällst von einem Extrem ins andere. Natürlich wollen wir mitnehmen, was wir brauchen. Schließlich wollen wir uns ja wohlfühlen im Urlaub.

Sie: Davon rede ich die ganze Zeit.

Ich: Vielleicht reichen zwei von den Pullis? Und vielleicht auch vier von den T-Shirts?

Sie: Also, die nehmen ja nun wirklich keinen Platz ein!

Ich: Eins kommt zum andern.

Sie: Und wie weiter?

Ich: Vielleicht reichen drei Paar Schuhe für Dich?

Sie: Du scheinst nicht zu wissen, daß die Schuhe zu den Hosen u n d den T-Shirts passen müssen!

Ich: Also doch Modenschau!

Sie: Was meinst Du wohl, wie sich eine modebewußte Frau kleiden würde? Die Augen gingen Dir über! Die paar Sachen, die ich habe, sind aus der Mode von übergestern!

Ich: Wir können doch nicht jedes Jahr alles wegschmeißen!

Sie: Eben, deshalb muß ich meine Sachen so kombinieren, daß sie im modischen Trend liegen.

Ich: Übertreibst Du nicht das Basislager für Deine Kombinationskünste?

Sie: Ich muß erst mal sehen, wie die anderen Frauen angezogen gehen.

Ich: Und die sehen wieder auf Dich! Das ist ja ein Teufelskreis!

Sie: Du mußt das nicht so kompliziert sehen, aber einen gewissen Spielraum braucht jede Frau.

Ich: Das heißt, Einsparungen könnte es nur bei meinen Sachen geben?

Sie: Für Dich nehmen wir ja kaum was mit. Aber bitte, wenn Du die ganze Zeit in  einen Paar Schuhe laufen willst und Dir eine Hose zum Wechseln genügt ...

Ich: Und Du meinst, das reicht nicht?

Mein resignierender Tonfall deutete an, daß sich das Gespräch dem Ende näherte. Es war immer wieder dasselbe und es wird auch immer wieder so bleiben. Über die guten Vorsätze wird es nicht hinauskommen. Und den möglichen Ärger, daß gerade d a s Kleidungsstück fehlt, das durch meine Schuld zu Hause geblieben ist, den wollte ich mir natürlich ersparen.

Sie: Du kannst Dich schon auf mich verlassen!

Ich: Na, dann wollen wir mal sehen, wie wir das alles in die Koffer kriegen. Weißt Du, packen kann ich so gut, daß auch der kleinste Hohlraum ausgefüllt ist.

Sie: Wir werden sehen!

 

26. Schläfst du schon?

Es gibt ganz dumme Fragen, die, zur falschen Zeit gestellt, auch noch ärgerlich sind. Ich schlafe zwar schnell ein, aber wenn dann eine Störung kommt, bin ich nicht gerade glücklich darüber:

Sie: Schläfst Du schon?

Ich: Das ist eine ganz dumme Frage. Mit "ja" kann ich ja nicht gut antworten!

Sie: Aber wenn Du gar nichts gesagt hättest, würde ich ja merken, daß Du schon schläfst.

Ich: Dann hättest Du auch was x-beliebig anderes fragen können.

Sie: Ich wollte aber wissen, ob Du schon schläfst. Warum sollte ich da etwas anderes fragen?

Ich: Wenn ich schon geschlafen hätte, hätte ich darauf ebenso wenig antworten können. Daran wiederum hättest Du gesehen, daß ich schon schlafe.

Sie: Du schläfst doch aber noch gar nicht.

Ich: Das konntest Du aber nicht wissen.

Sie: Aber jetzt weiß ich es.

Ich: Durch eine Frage, die man nur mit "nein" beantworten kann.

Sie: Hätte ich Dich etwas anderes gefragt, und Du hättest noch nicht geschlafen, dann hättest Du mir meine Frage beantworten müssen.

Ich: Was für eine Frage?

Sie: Na, wenn ich Dich was anderes gefragt hätte.

Damit hatte sie meine Logik aus den Angeln gehoben. Das mußte ich neidlos zugeben.

Ich: Da hast Du recht.

Sie: Siehst Du. Und deshalb habe ich Dich gefragt, ob Du schon schläfst.

Betont korrekt antwortete ich ihr jetzt:

Ich: Nein, ich schlafe noch nicht.

Sie: Jetzt brauchst Du mir nicht mehr zu antworten.

Sie verblüffte mich wirklich. Dabei war ich müde und wollte schlafen.

Ich: Und warum nicht?

Sie: Weil wir uns die ganze Zeit unterhalten haben. Also kannst Du ja noch gar nicht schlafen.

Ich: Sehr logisch.

 

Diese Art von Logik wandte ich meist gegen sie an. Sie hatte offensichtlich gelernt. Das demonstrierte sie mir mit ihrer Reaktion:

Sie: Eigentlich nicht, denn es hätte ja sein können, daß Du schon geschlafen hast, aber durch meine Frage wieder aufgeweckt wurdest. Das hätte mir leid getan.

Ich: Wenn es Dir leid getan hätte, hättest Du mich nicht gefragt.

Die Logik fing an, einen Teufelskreis zu bilden.

Sie: Aber ich wollte doch wissen, ob Du schon schläfst!

Ich: Ich bin ganz ganz müde, hörst Du?

 

Dieses Mal hatte sie mich in die Enge getrieben. Ich war viel zu müde, um diesem sinnlosen Geplänkel noch etwas abzugewinnen. Ich wollte nur noch meine Ruhe haben.

Sie: Davon war ich ausgegangen. Sonst hätte ich Dich nicht gefragt, ob Du schon schläfst.

Sie ließ einfach nicht locker. Sie war hellwach.

Ich: Jetzt weißt Du, daß ich noch nicht schlafe, aber jeden Moment einschlafen werde.

Sie: Sagst Du mir vorher noch einmal "Gute Nacht"?

Ich: Wann vorher?

Sie: Bevor Du einschläfst.

Ich: Gute Nacht. Schlaf gut.

Eigentlich hätte sie nun Ruhe geben müssen. Sie tat es aber nicht.

Sie: Kannst Du so schnell einschlafen?

Ich: Wieso schnell? Ich versuch's eben.

Sie: Ich brauche immer eine kleine Weile, bis ich einschlafen kann.

Ich: Wenn Du Dich weiter mit mir unterhältst, werden wir beide nicht einschlafen.

Sie: Wenn wir einschlafen, werden wir von ganz allein aufhören, uns zu unterhalten.

Das ist zwar logisch und hätte von mir sein können, aber was sollte ich darauf antworten. Ich wollte endlich schlafen, schwieg daher und tat, als ob ich eingeschlafen sei.

Ich: - - -

Sie: Du sagst ja gar nichts mehr! Schläfst Du schon?

 

32. Warum schmeckt dir die Suppe nicht?

Auch wenn man nichts sagt, sagt man etwas. Der andere spürt es. Mit seinem ganzen Körper zu lügen, ist schwerer als mit Worten. Im Zweifelsfalle hält man sich eher an die Körpersprache als an die Lautsprache. So kommt es mitunter zu Gesprächen wie dem folgenden:

Sie: Warum schmeckt Dir die Suppe nicht?

Ich: Die schmeckt sehr gut!

Ich gab mir alle Mühe, aber ich fühlte selbst, daß das falsch klingen mußte.

Sie: Sieh mich mal an. Dir schmeckt die Suppe nicht.

Ich: Warum sollte sie mir nicht schmecken?

Sie: Das weiß ich nicht, aber ich fühle, daß sie Dir nicht schmeckt.

Ich: Du kannst fühlen, ob sie heiß oder kalt ist, aber nicht, daß sie mir nicht schmeckt.

Sie: Also doch, sie schmeckt Dir nicht!

Ich: Ich habe nur gesagt, daß Du nicht fühlen kannst, ob mir die Suppe schmeckt.

Sie: Wenn ich nur wüßte, warum sie Dir nicht schmeckt. Mir schmeckt sie sehr gut.

Ich: Mir auch.

Sie ließ sich nicht täuschen. Selten trügte sie ihr Instinkt.

Sie: Merkst Du nicht, wie falsch das klingt?

Ich: Aber ich esse sie doch mit großem Appetit.

Sie: Wie lustlos Du darin herumstocherst!

Ich: Ich stochere nicht, ich habe nur irgendeinen Stiel herausgefischt.

Sie: Das sind keine Stiele, das ist Majoran.

Ich: Mag sein.

Das war ein viel zu schwaches Lob. Jetzt war nichts mehr zu retten. Sie war sichtbar ungehalten:

Sie: Du kannst einem die ganze Freude am Kochen nehmen.

Ich: Bloß weil ich keine Majoranstiele esse?

Sie: Ich hab' mir solche Mühe gegeben!

Ich: Ich weiß nicht, was Du hast, die Suppe schmeckt sehr gut.

Sie: Wirklich? Warum hast Du es nicht gleich gesagt?

Ich: Ich mußte doch erst mal kosten.

Sie: Das kann doch nicht so lange dauern, bis man weiß, ob es einem schmeckt oder nicht!

Ich: Du hast mich gar nicht zu Worte kommen lassen.

Sie: Du schlingst alles in Dich hinein, ohne jede Regung.

Ich: Das ist nicht wahr.

Ich ahnte, was jetzt auf mich herniederprasseln würde. Es gab keine Möglichkeit, sie wieder zu beruhigen.

Sie: Wann hast Du eigentlich mal von Dir aus, ohne daß ich Dich drängen mußte, gesagt, daß es Dir schmeckt?

Ich: Aber das siehst Du doch!

Sie: Ich sehe nur, wie undankbar Du bist.

Ich: Undankbar?

Sie: Wer kümmert sich denn tagein tagaus um das Essen? Ich! Da kann man doch wohl erwarten, daß einem gesagt wird, wenn es mal besonders gut schmeckt!

Sie steigerte sich geradezu in ihren Unmut über mich hinein.

Ich: Die Suppe schmeckt mir sehr gut.

Sie: Ich finde sie exellent. So gut ist sie mir noch nie gelungen!

Ich: Das stimmt.

Sie: Du kannst Dich nicht beklagen, meine Suppen schmecken immer!

Ich: Ich beklage mich ja auch nicht.

Sie: Das wäre ja auch noch schöner!

Ich: Beruhige Dich doch!

Sie: Den ganzen Tag habe ich in der Küche gestanden, und nun das!

Ich: Es ist doch gar nichts passiert.

Sie: Und ich dumme Liese hatte geglaubt, daß Dir die Suppe besonders gut schmecken würde.

Ich: Sie schmeckt mir auch besonders gut.

Sie: Das nächste Mal kochst Du!

Das war als Schußpunkt gedacht. Ich war froh, daß sie auf eine Weiterführung dieser Art von Kommunikation verzichtete.

 

34. Du verstehst mich nicht!

Ohne diese Floskel kämen wir kaum durchs Leben. Und doch meinen wir es nicht ganz ernst. Wenigstens ein winziges Stückchen Verständnis muß schon da sein, sonst würde es nicht lohnen, miteinander zu reden. Aber meist reicht es uns nicht. Wir möchten, daß man uns völlig versteht, ohne Rest. Und das geht nun einmal nicht. So pendeln wir zwischen großem und weniger großem Verständnis, das man uns entgegenbringt:

Sie: Du verstehst mich nicht!

Ich: Doch, ich verstehe Dich sehr gut!

Sie: Das ist nicht wahr. Dann würdest Du nicht solchen Blödsinn reden.

Ich: Was ist in Deinen Augen Blödsinn?

Sie: Daß wir von den 27 Topfpflanzen die Hälfte wegschmeißen sollen.

Ich: Ich wußte nicht, daß es 27 sind.

Sie: Ich habe sie heute gezählt. Ist das so wichtig?

Ich: Weil man von 27 nicht die Hälfte wegschmeißen kann. Das geht nicht.

Sie: Das hast Du mir doch aber gestern vorgeschlagen!

Ich: Da wußte ich nicht, daß es 27 sind. 27 läßt sich nicht durch 2 teilen!

 

Das klingt pedantisch dumm. Ich wollte sie eigentlich nur ablenken und sie auf diese Wiese beruhigen. Was sie eigentlich wollte, war mir völlig unklar.

Sie: Deine Sorgen möchte ich haben!

Ich: Ich meine, wir sollten reduzieren, damit Du weniger Arbeit hast.

Sie: Du verstehst mich nicht!

Ich: Doch, Du hast gesagt, daß Du täglich allein für die Blumen 1 Stunde brauchst.

Ich fühlte mich so fürsorglich und hatte ihr deshalb diesen Vorschlag gemacht.

Sie: Aber sie sind doch das einzig Schöne, was wir in der Wohnung haben!

Ich: Ich finde sie ja auch schön, aber wenn sie soviel Arbeit machen, müssen wir eine andere Lösung finden.

Sie: Ich will aber keine andere Lösung.

Ich: Dann verstehe ich Dich nicht.

Sie: Das sage ich ja: Du verstehst mich nicht.

Ich: Das ist auch nicht zu verstehen.

Ich überlegte hin und her. Ihr Verhalten war mir absolut rätselhaft.

Sie: Was soll daran so schwer sein?

Ich: Es gibt einen Widerspruch: Einerseits sind die Blumen schön und andererseits machen sie zu viel Arbeit.

Sie: Das Leben ist nun mal voller Widersprüche!

Ich: Aber dieser ließe sich lösen.

Sie: Das ist doch nicht Dein Ernst! Wo Du weißt, wie ich an den Blumen hänge! Mir würde es das Herz brechen, auch nur eine einzige auf den Müll zu schmeißen.

Ich: Und warum beklagst Du Dich über die viele Arbeit, die sie machen?

Sie: Du verstehst mich überhaupt nicht. Ich habe mich nicht über die Blumen beklagt, sondern über die viele Arbeit, die mir keine Zeit für mich läßt.

Ich: Und ich wollte Dir helfen, einen Ausweg zu finden.

Ich verstand immer noch nicht. Ich hatte nicht mal den Schimmer einer Ahnung!

Sie: Das ist keiner.

Ich: Weißt Du einen besseren?

Sie: Nein.

Ich: Und wie lösen wir das Problem?

Sie: Du verstehst mich immer noch nicht.

Sie hatte sich richtig in Rage geredet. Es war geradezu beängstigend.

Ich: Wahrscheinlich nicht.

Sie: Wenn Du nur e i n m a l ein Wort der Anerkennung finden würdest! Aber nein, die Blumen sollen auf den Müll!

Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen, aber ich war zu feige und sagte nur etwas kleinlaut:.

Ich: Die sollen ja nicht auf den Müll.

Sie: Und was sollte das ganze Gerede?

Ich: Ich weiß es nicht.

Sie: Du mußt doch wissen, was Du redest!

Ich nahm mir vor, in Zukunft etwas aufmerksamer zu sein. Alle Männer sollten ihr Verhalten in dieser Hinsicht ständig überdenken!