Pressenachlese/Behördenkommunikation

 

1) ARD (SWR) Reportage:  Radler, Raser, Rambos

1. September 2000

2) HR3 29.11.2000, 21.45 Uhr 

"Radler, Raser, Rambos"?

In dieser Reportage überquerte eine über 70-jährige alte Dame den Zebrastreifen mit einem Fahrrad und wurden von der Polizei zurechtgewiesen, dass sie dies nicht zu tun hätten.

Ein Fahrradrambo? Ein Raser?

Der Film zeigte weiterhin Argumentationsstrategien, die wirklich haarsträubend waren:
Z.B. "Der Fahrradpolizist konnte den Radler, der vorher bei rot durchgefahren war (will ich nicht gutheißen), nicht überholen, da der Radweg so schmal war. Im Bild sah man einen Radweg mit in etwa  90 cm Breite. 
Kein Wort, dass so ein Radweg wider geltendes Gesetz ist und
eine Gefährdung des Radlers darstellt.   

Den Höhepunkt empfand ich aber, als ein Taxifahrer zu Wort kam der im  öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagen durfte:  

Zitat: "Am besten sollte man alle Radler abschießen".  Oder bin ich hier einfach zu sensibel?
Nein- eine pauschale Diffamierung ist das laut Autor nicht, oder? Man stelle sich vor:
Da würde einer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagen oder sagen dürfen: "Am besten soll man alle ...  abschießen". In die drei Punkte  könnte man jetzt irgendeine beliebige Personengruppe einsetzen und dann stellt man sich einmal vor, was passiert: Der Schrei öffentlicher Entrüstung wäre in den meisten Fälllen unüberhörbar gewesen. Wochenlange Diskussionen. Aber hier  nichts - eigenartig. 

Die Antwort  des Autors auf meinen Leserbrief habe ich in der rechten Spalte kopiert.

Besonders der Satz "Der Ansatz unseres Autors war es nun nicht, eine Gesamtanalyse der Verkehrssituation in den Innenstädten vorzunehmen." erbost mich, denn einseitig-emotional geführte Diskussionen gibt es  hier in Deutschland zu genüge. Besonders wenn einer in diesem Artikel  zum Abschiessen des Feindes aufrufen darf. Öffentlich und rechtlich.  

Dass  "...Fahrradfahrer konsequent nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung behandelt wurden -" war glatt  gelogen, denn die Radwege, die da gezeigt wurden, waren für jeden ersichtlich viel zu  schmal. Die "Distanziertheit" des Autors- aha. 

Nachdem die Diskussion "durchgeführt" war und Herr 
Michel "vielen  Dank für die kritischen Anmerkungen" zum besten gab, wird die gleiche Reportage auf den dritten Programmen unverändert weitergezeigt. (z.B. HR3 29.11.2000, 21.45Uhr)

Und man wurde die nächsten 2 Monate permanent von Autofahrern zusammengehupt und gemaßregelt.

Das war somit  Herr Thomas Michels Beitrag zum "sicheren Straßenverkehr".

Mail vom 20.9.2000

Sehr geehrter Herr Rochholz,

vielen Dank für Ihr Mail vom 1. September, in dem Sie sich mit unserer Reportage "Räder, Radler, Rambos" auseinandersetzen.

Dieser Film hat eine Fülle ganz unterschiedlicher Reaktionen provoziert. Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir wegen der großen Anzahl nicht auf jede einzelne Zuschrift individuell
antworten können. Allerdings sind es im wesentlichen immer die gleichen Kritikpunkte, mit denen wir konfrontiert wurden. Und auf die möchte ich - als diesen Beitrag betreuender Redakteur - gerne eingehen.

Zunächst: Die Tatsache, daß dieser Film soviele Zuschauerreaktionen - von heftiger Kritik (seitens der Radfahrer) und Zustimmung (wen wundert's: von Fußgängern) auf sich gezogen hat, kann man wohl zunächst einmal als Bestätigung werten: Der "Kleinkrieg in der Innenstadt" ist ein Thema, über das sich trefflich streiten und berichten läßt. Tatsache ist: in vielen Städten wird der Bewegungsspielraum für den einzelnen Verkehrsteilnehmer eher kleiner - entsprechend kommt es immer häufiger zu Konflikten und leider auch immer häufiger zu Unfällen. In Köln, dem Ort an dem die Reportage gedreht wurde, stieg die Zahl verunglückter Radfahrer deutlich: 1998 waren es 1146 Verletzte und 3 Tote, 1999: 1270 Verletzte und 8 (!) Tote.

In dem Film ging es nun keineswegs darum, Radfahrer pauschal als Rambos zu diffamieren, was mancher aus dem - zugegeben: zugespitzen - Titel "Räder, Radler, Rambos" folgerte. Daß es diese besonders rücksichtslosen Radfahrer - wie ebensolche Autofahrer - aber tatsächlich gibt, daran besteht andererseits auch kein Zweifel.

Der Ansatz unseres Autors war es nun nicht, eine Gesamtanalyse der Verkehrssituation in den Innenstädten vorzunehmen. Ihm ging es vielmehr darum, das Verkehrsverhalten von Radfahrern in den Blick zu rücken. Denn Radfahrer sind nicht nur Opfer sondern eben auch Täter bei Unfällen im Straßenverkehr: Die Statistik von 1998 für Deutschland: Bei 68.800 Unfällen unter Beteiligung von Radfahrern wurde etwa die Hälfte von Radfahrer verschuldet. Daher ist es durchaus legitim, einmal das Interesse darauf zu fokussieren, welchen Anteil die Radfahrer an dieser erschreckenden Zahl haben. Also: Radfahrer sind nicht die schlechteren - aber auch nicht die besseren Verkehrsteilnehmer.

Im Zentrum der Reportage stand nun eine Aktion der Kölner Polizei, bei der Fahrradfahrer konsequent nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung behandelt wurden - was sich alle anderen Straßenverkehrsteilnehmer ja auch gefallen lassen müssen. Im Verlauf des Films zeigte sich, daß es eine Fülle von Verkehrsvorschriften gibt, die viele Radfahrer gar nicht kennen: daß zum Beispiel das Befahren von Fußgängerüberwegen verboten ist. Unsere Reportage dokumenierte  eine ganze Reihe solcher Verkehrsverstöße, bei denen sich die Radfahrer keiner Schuld bewußt waren. Nun läßt sich sicher über Sinn und Unsinn einzelner Verkehrsvorschriften streiten. Allerdings: man muß Sie zunächst einmal kennen. Es war sicher eine Stärke dieses Films, den einen oder anderen Zuschauer (Radfahrer) für solche Situationen sensibilisiert zu haben.

Einseitigkeit und Stimmungsmache gegen Radfahrer wurde diesem Film von einigen Kritikern vorgeworfen. Richtig ist sicher, daß unser Autor distanziert das Verhalten der Radfahrer beobachtet hat. Allerdings kamen die Radfahrer in dem Film ausgiebig zu Wort. Und es gab auch nicht wenige überzeugende Statements von Radfahrern, die von ihrer schwierigen Situation im Straßenverkehr sprachen.

Natürlich ist es erfreulich und muß unterstützt werden, wenn immer mehr Menschen das Auto stehen lassen und auf das Rad umsteigen. Dennoch muß es erlaubt sein zu fragen, wie auch die Radfahrer dazu beitragen können, daß der Straßenverkehr für alle sicherer wird.

Nochmals Dank für Ihr Interesse und Ihre kritischen Anmerkungen.

Thomas Michel

Münchens Fußgänger empört: Radler,  ihr nervt uns! 

AZ  21. 10. 2000, Titelseite
2)    Münchens Fußgänger empört: Radler,  ihr nervt uns! 
 

Seitliches Bild zeigt, wie es offensichtlich in der Fussgaengerzone inklusive  Radlfurt zugeht:  Weiterhin kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wahrnehmen, daß auf diesem Bild nicht nur die Fußgänger einen Grund haben, genervt zu sein. Aber der Mann mit der großen Tasche am Lenker steckt das offensichtlich eher leger weg... 

Schön wäre es, wenn die  "Radlfurten" funktionieren würden. Aber so eine Radfurt ist, wie unschwer zu erkennen,  kontraproduktiv (Und einfach nur gefährlich). 

(OT. Das ist genauso wie bei den AKW's: In Deutschland  schaffen wir sie ab, in Nachbarländern gehen unsicherere ans Netz. 80 km von der Grenze. Grüne kontraproduktive  Politik. Schwärmt  vom Idealzustand und scheitert an den Realitäten. Eigentlich sollte Deutschland ein paar hundert Jahre da "drüber" sein. Wie hieß die Zeit? Helft mir bitte mal.)

Aber ansonsten ein recht neutraler Artikel. (Bis auf die Ueberschriften)  Jede Partei kommt zu Wort (Autofahrer, Radfahrer, Fussgaenger, ADFC). 

"Radlrambos immer dreister"

AZ 21. 10. 2000, S. 11
2b)   Unterüberschrift "Radlrambos immer dreister"

Wie unschwer zu erkennen, fährt hier ein Radlrambo durch die Münchener Innenstadt.
Man konnte ihn nur von hinten fotografieren, so schnell war er/sie...

Spaß beiseite: Sehr geschickt ist so eine Aktion nicht. Will man da halbwegs sicher durchkommen, ist man mit schieben auch nicht langsamer. Und gesetzeskonform.
Zur weiteren Dokumentation der Kommentar von Herrn Hirnbeiß zu dieser Situation. 

Dies ist der Verkehrssicherheit wenig förderlich, da sich Herr Hirnbeiß wohl eher weniger auf den (Auto-)Verkehr konzentrieren kann. 
 

(AZ 21.10.2000, S. 9 (Die gleiche Ausgabe!) 


  
3) Süddeutsche Zeituung, 19.3. 2001, "Polizei fahndet nach Radl-Rambo" 

Zunächst: Von Fusstritten muß ich mich eindeutig distanzieren.
Nächster Punkt: DIE SZ berichtete NICHT über den Velounfall um den 21. Februar 2001; ich habe im SZ-Archiv nachgesucht.D.H. dies hier ist der einzige Artikel über diesen Vorfall.

Da haben wir es wieder: Ein Radl-Rambo!
Versuchen wir einmal zwischen den Zeilen zu lesen: 
Zitat: "In Pasing wird ein Schüler umgefahren."
Zwischen den Zeilen:
Wo jetzt genau? (Pasing ist ziemlich ungenau).
Autofahrbahn? Unwahrscheinlich.
Fußweg oder Fußgängerzone? Nein-denn in diesem Fall  hätte es ja dagestanden.
Also Radweg.- Der Auslöser der ganzen Aktion scheint ein Fußgänger gewesen zu sein, der sich auf dem Radweg bewegt. 

Zitat: "Fahrrad mit fehlender Felge"
Zwischen den Zeilen: 
Wie kann ein Radler mit nur einer Felge fahren (Es muß wohl "fehlendes Vorderrad" heißen)? Das schaffen die wenigsten Leute. Also muss zunächst eine Kollission stattgefunden haben  -  wahrscheinlich auf dem Radweg  -  und beim Unfall ist das Vorderrad kaputt gegangen sein. Denn sonst wäre er kein "Rad-Rambo" gewesen - also er hätte vorher nicht fahren können.  Und wenn das Vorderrad kaputt ist, hat er sich wohl vorher "auf die Nase gelegt". Komisch. Steht nirgends. Und Vorderräder beim Fahren kaputt zu bringen. Soo  einfach ist das nicht. 
Frage: Wie geht das?  SZ, wo steht das?

Zitat: "Schüler", "Kinder"
Frage: Wie alt? 
Zwischen  6 und 7 werden sie wohl nicht gewesen sein, dann waere es nicht "notwendig" gewesen, einen zusammenzutreten. Denn das Phantombild zeigt jemand, der über 10 ist - bei dieser Haarpracht.  

Ist die SZ auch schon von Anti-Radler-Gedankentum "verseucht"?
Für mich ist die Berichterstattung unplausibel. 

Ich bin nicht der "Radl-Rambo", mein Haar ist nicht so schütter.
Text vom 14.03.2001 /Rev. 18.3. 

Autofahrer in Rage bringt Radler zu Fall 

Süddeutsche Zeitung, 08.02.2002

Weil er sein Auto berührte, hat ein 35-jähriger Mann einen Radfahrer verfolgt und zu Fall gebracht. Der Autofahrer hatte auf der Deisenhofener Straße eine Beifahrerin aussteigen lassen und war dazu auf den Fahrradweg gefahren. Der 32-jährige Radfahrer streifte beim Vorbeifahren mit einer Stofftasche den Kotflügel des Wagens, ohne dass Schaden entstand. Den Autofahrer muss der Vorfall trotzdem so in Rage versetzt haben, dass er in den Wagen stieg und den Radler bis in die Schwanseestraße verfolgte. Dort schnitt er ihm so den Weg ab, dass der Mann stürzte. Der Radfahrer verletzte sich leicht. Das  Auto nahm nun doch Schaden: Eine Scheibe ging zu Bruch, alsder Lenker im Fenster hängen blieb.
                                mai
http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel120628.php

Hier fängt die Selbstjustiz an, die ich wegen obiger nichtneutraler Berichterstattung schon lange prophezeit habe:
Dem Autofahrer kommt gar nicht in der Sinn, daß er schlichweg auf dem Radweg nichts zu suchen hat bzw. Radler gefährdet. Weiterhin nötigt er sie zum Ausweichen auf Fußweg oder Autofahrbahn, was verboten ist.

Ich würde sagen, daß es sich hier um

  • Köperverletzung in Verbindung mit 
  • Amtsanmaßung
  • Verkehrsgefährdung
handelt. Auslösend war eine Verkehrsübertretung des Autofahrers. Und da dieses überall zu den Kavaliersdelikten gehört, hat der Autofahrer diesbezüglich nicht einmal mehr ein Unrechtsempfinden. Bedenklich. 

Tatwaffe Auto

In einem aufsehenerregenden Strafprozess hat eine Jury in den USA den Tod eines Radkuriers als Mord eingestuft - obwohl es fast wie ein Verkehrsunfall aussah. 

Nach Ansicht der Richter hatte ein heute 31-jähriger Autofahrer vor zwei Jahren einen 26jährigen Radkurier nach einem Beinahe-Zusammenstoß und einer deftigen verbalen Auseinandersetzung absichtlich überfahren und dabei getötet. 

Mit dem Schuldspruch nach rund 16-stündiger Beratung der Jury erwarten den verurteilten Autofahrer nun 2o bis 60 Jahre Haftstrafe. "Ein drei Tonnen schweres Fahrzeug gegen ein 2o Pfund schweres Fahrrad ist keine faire Auseinandersetzung", sagte die stellvertretende Staatsanwältin Lynda Peters in ihrem Plädoyer. Zum Prozess erschienen zahlreiche Radkuriere und Radsportler aus dem Großraum Chicago sowie Anhänger des Autofahrers. Ordner mussten die beiden Gruppen im Gerichtssaal trennen.

"Tour" Magazin, Februar 2002, Seite 7.

Wenngleich ich normalerweise Bauchschmerzen habe, das Amerikanische Rechtssystem als leuchtendes Beispiel hinzustellen, möchte ich doch hier diesen Artikel der "Tour" hineinkopieren. 
Und mich würde intreressieren, was demgegenüber der Autofahrer erhält, von dem in obiger Zeile die Rede ist. ("Autofahrer in Rage bringt Radler zu Fall") 

Brief der Gemeinde Gilching an mich (7. 2. 2002) 

Sehr geehrter Herr Dr. Rochholz,

zunächst herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 21.1.02.
Wir haben vollstes Verständnis für Ihren sicherlich gutgemeinten Vorschlag, eine Anleinpflicht für alle Hunde auf gemischten Geh-und Radwegen oder auf Fußwegen, die neben einem Radweg verlaufen in einer Gemeindeverordnung zu regeln.

Leider haben wir dazu aber kein rechtliche Handhabe. Nach Art. 18 des Bayer. Landesstraf- und Verordnungsgesetzes (LStVG) kann das freie Umherlaufen nur von großen Hunden und Kampfhunden in einer Gemeindeverordnung geregelt werden. Das haben wir auch gemacht. Wir legen Ihnen eine Ablichtung dieser Verordnung zur Kenntnisnahme bei.

Zweifelsohne besteht natürlich auch eine nicht gerade unbedeutende Gefahr durch kleine nicht angeleinte Hunde, wenn diese z.B. auf Radwegen frei umherlaufen. Nur fehlt uns hierzu die gesetzliche Ermächtigung im LStVG. Das Problem gibt es nun leider in fast allen Gemeinden, die gleichlautende Regelungen getroffen haben wie in Gilching.

Wir bedauern deshalb, Ihnen keine "günstigere" Mitteilung zukommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen 

Krischke

Ich hatte einen Brief an die Gemeinde Gilching (Gezippte PDF-Datei) geschrieben, um sie zu bitten,
auf gemischten Rad-Fusswegen und auf Fusswegen, die neben Radwegen laufen, das Anleinen von Hunden vorzuschreiben.

In meinen subjektiven Augen sind unangeleinte Hunde,  bisweilen auch schwarz, insbesondere auch des Nachts ein Sicherheitsrisiko für Radfahrer.
Es gibt ja auch rücksichtsvolle Hundehalter, die nachts den Hunden so Blinklichter anziehen. Finde ich super. Aber die meisten....

Und mir persönlich geht es primär um die Sicherheit von allen Verkehrsteilnehmern.
Ist da jemand  anderer Meinung oder hat da  jemand andere Prioritäten?  Die Sicherheit von Hunden?
Rüpel auf Rädern!

Immer wieder kommt es auf Gehwegen zu Unfällen zwischen Fußgängern und Radfahrern; Hauptunfallverursacher sind hier meist die Pedalritter. Und das, obwohl Gehwege gemäß Straßenverkehrsordnung ausschließlich den Fußgängern vorbehalten sind! Jedoch gibt es hier Ausnahmen. Eine betrifft zum Beispiel Kinder: Bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen sie die Bürgersteige zum Radeln benutzen, und für zwei veitere Jahre ist ihnen das gestattet, wenn keine Radwege vorhanden sind. Ältere Kinder, Jugendliche und erwachsene Zweiradfahrer dagegen dürfen laut Auskunit der DBV-Winterthur Versicherurigen nur dann mit dem Drahtesel auf die Bürgersteige, wenn diese durch ein spezielles Schild ausdrücklich für Radtahrer freigegeben sind. Dies ist jedoch keinsfalls als Freibrief für Rowdies zu verstehen; ganz im Gegenteil: Auch hier müssen Pedalritter grundsätzlich Rücksicht auf Fußgänger nehmen! Das heißt: Sie dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen absteigen, wenn sie Fußgänger gefährden, behindern oder belästigen könnten. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Verwarnungsgeld von bis zu 20 Euro!

ARCD (Auto- und Reiseclub Deutschland), 3/2002

Ein eigentlich sehr neutraler und informativer Artikel. 

Warum aber müssen die Redakteure des ARCD mit den Begriffen wie "Rüpel" oder "Rowdie" um sich werfen? 

Auffallend sind die vielen Ausrufungszeichen (insgesamt 4 Stück). 
Beim Artikel "Hohes Risiko für Kinder!" auf der gleichen Seite, wo festgestellt wird, daß im Jahr 2000 240 Kinder im Straßenverkehr umkamen, findet sich insgesamt nur eines (in der Überschrift). Irgendwie scheint es wieder mal mit der Verhältnismäßigkeit zu  hapern. 

Der erhobene Zeigefinger auf die bösen Radler läßt wieder mal grüßen. Es ist ja sooo bequem. 

 
11.03.2002

Überfällig
Dieser Artikel war lange überfällig! Aber: Für bessere, scherbenfreie Radwege fehlt anscheinend in Deutschland das Geld. Und eine Regierung, die den Radfahrern in Sachen Radwegebenutzungsplicht entgegenkäme, würde wohl von der ADAC-Motorwelt, der Bild-Zeitung und der übrigen Autolobby in der Luft zerrissen. Ich würde mir wünschen, dass Rennfahrer wie Jan Ullrich und Erik Zabel ihre Popularität nutzen und auch mal ungefragt zu diesem Thema im Sinne aller Rennradfahrer Stellung beziehen. Bis dahin fahren wir weiter durch Scherben der Flachmänner und Bierflaschen, die deutsche Autofahrer auf die Radwege werfen - oder wir werden auf der Straße angehupt, bedrängt und bedroht.
Achim Klinge, Bensheim

Ironisch?
In einer automobilen Gesellschaft werden Radwege oder Rad-/Gehwege nicht für die Radfahrer und Fussgänger gebaut, sondern für die Autofahrer. Es geht doch vor allem darum, die Radfahrer von der Straße zu holen, damit die Autofahrer keine Rücksicht mehr auf "gleichberechtigte" Verkehrsteilnehmer nehmen müssen. Das Gebot fiir Radler, den Radweg zu benutzen, bedeutet vor allen Dingen freie Fahrt für Autofahrer. Ob die Radwege auch den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, ist vor diesem Hintergrund vollkommen unerheblich.
Hartmut Gerlach, Wiell

Gegenseitig
Die wenigsten Radwege sind breit genug, um sie sportlich zu nutzen. Dort fahren Inline-Skater, Hunde werden ohne Leine "Gassi" gefiihrt, und Jogger laufen Zick-Zack. Mit dem Mountain-Bike nutze ich den Radweg zwar, aber mit dem Rennrad nie, zumal er zusätzlich für die Bauern als Zufahrt zu ihren Feldern
dient und meistens dementsprechend aussieht. Trotzdem wird man bei Missachtung der Radwegepflicht oft bewusst knapp überholt und mit der Hupe genervt. Allerdings gibt es unter den Radlern auch einige "Möchtegern-Profis", die zu zweit oder zu dritt nebeneinander fahren und dabei cool herumquatschen. Das, liebe Radkollegen, muss auch nicht sein. Ich bin der Meinung, dass man nur durch gegenseitige Rücksichtnahme vernünftig miteinander umgehen kann; denn wie sagt ein Sprichwort: "So wie es in den Wald hineinschallt, schallt es auch heraus."
Stefan Wörnlein, perE-Mail

tour 2/2002

Leserbriefe zum Report über Radwege, Tour-Zeitschrift 3/2002

In der tour 2002 wurde der z.T. miserable Zustand von Radwegen angemahnt.

19.6.2009 -www.oe24.at

Steigerung

Mehr Rowdys auf Fahrrädern unterwegs

Wien, 17. Juni 2009 Radfahrer sind laut einer ÖAMTC-Studie immer schneller unterwegs. Viele halten sich nicht an die Verkehrsregeln. Die Unfallzahlen steigen.

Einer aktuellen ÖAMTC-Tempomessung zufolge – 550 Radfahrer – rast mehr als ein Drittel der Radler mit bis zu 30km/h durch die Stadt. Im Vergleich zu früheren Messungen sind die Biker damit deutlich rasanter unterwegs, behauptet zumindest der ÖAMTC.

„Fahrradfahrer sind wohl auch deshalb immer schneller unterwegs“, so Hans Doppel, Sprecher der ARGUS, „weil der Autoverkehr immer schneller wird. Es wäre gut, wenn es gelingen würde, die Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.“

„Das Tempo der Fahrradfahrer ist im Vergleich zu früher gestiegen, allerdings“, schwächt Verkehrspsychologin Marion Seidenberger vom ÖAMTC ab, „in keinem besorgniserregenden Ausmaß.“

Arglose Radfahrer
Bedenklich sei allerdings, dass viele Fahrradfahrer sehr sorglos unterwegs sind. So hatten knapp 80 Prozent der am Ringradweg beobachteten Radler keinen Helm auf. Ihr Motto: Mir passiert auf der kurzen Strecke eh nichts.

Tatsache aber ist: Bereits ab 15?km/h kann man sich ohne Helm schwere Kopfverletzungen zuziehen. Bei 30?km/h vervierfacht sich die Bewegungsenergie und dementsprechend die Schwere der Verletzungen.

Mangelnde Konzentration. Eine weitere Unsitte: Mindestens sieben Prozent der Radler hörten während der Fahrt Musik oder waren mit ihrem Handy beschäftigt. Dazu die Verkehrspsychologin: „Man nimmt sich dadurch die Möglichkeit, adäquat auf eine Gefahr zu reagieren.“

Überdies würden viele Radfahrer keine Radwege, sondern den Gehsteig benützen, gegen die Einbahn fahren, keine Handzeichen geben und manche sogar rote Ampeln missachten.

Sind Radfahrer die neuen Rowdys auf den Straßen?
„Das ist ein fürchterliches Klischee, das uns da umgehängt wird, das stimmt doch gar nicht“, ärgert sich der ARGUS-Sprecher, „wie bei anderen Verkehrsteilnehmern gibt es auch unter den Radfahrern einige wenige, die sich nicht an die Regeln halten.“

Zunahme an Unfällen
Sicher ist nur soviel: Die Zahl der Fahrradunfälle nimmt zu. Laut aktuellen Daten der Statistik Austria gab es heuer im April 67 Fahrradunfälle. Im April 2008 waren es 55. Verletzt wurden im heurigen April 59 Fahrradfahrer, im April 2008 waren es 50. Das Fazit: Die Gefahr steigt nun mal mit der Geschwindigkeit.

Wahnsinn!
Über  30 km/h "rasen" die Radfahrer.
Und nebenan sind die braven Autofahrer, die sich so mit 60 km/h bewegen und  ganz normal fahren.  Oder?

Und so ein 100kg-Radler hat bei 30  km/h rund 7000 kg* m^2/s^2, während ein KFZ   bei  60 km/h und 1500  kg Gewicht von über 400000 kg* m^2/s^2, also  das  60-fache(!) an  Energie beinhaltet.

Journalisten: Ihr habt den Physikunterricht in der Schule sehr früh "abgewählt", oder? Geschwänzt?

Und: Sollen jetzt die Radfahrer auch langsamer fahren?
Oder  wie ist  "... die Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.“ gemeint?
Also die Logik in diesem  Artikel verstehe ich nicht-
und das hat sicher nichts damit  zu tun, dass es ein österreichischer Artikel ist- So einen Unfug bringt selbst die SZ zu Stande- und die ist deutsch!

Ca. 50% aller Autofahrer blinken übrigens nicht. Statistik der Auto-Bild.
Die gefährden damit aber eher die Radfahrer. Denen die  Möglichkeit genommen wird, "adäquat auf eine Gefahr zu reagieren.“
Heiliger Sankt Florian.

Wenn ich mich selbst gefährde, bin ich zwar blöd, aber wenn mich andere gefährden wird das eh nicht geahndet. Also was soll das?
Tolle Verkehrspsychologin.

 

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 Letzte Revision 20.08.2009, Seiten kontinuierlich in Bearbeitung