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Leptospirose - Leptospira canicola
(Stuttgarter Hundeseuche)
Im Jahre 1898 kam es nach einer Hundeausstellung in Stuttgart zu einer schweren, seuchenhaften Erkrankung, der eine große Anzahl Hunde erlag. Da man die Krankheit bisher noch nicht kannte nannte man sie „Stuttgarter Hundeseuche“.
Krankheitserreger: 1923 entdeckten Wissenschaftler erstmals die Krankheitsauslösenden schraubenförmige Bakterien, auch Leptospiren genannt. Übertragung: In Hinblick auf die Ansteckung und Weiterverbreitung der Krankheit ist von Bedeutung, daß für die verschiedenen Leptospirosetypen auch verschiedene Tierarten als Erregerträger in Betracht kommen. Nicht jeder Hund, der mit dem Krankheitserreger in Bekanntschaft macht, erkrankt daran. Die Infektionsbereitschaft ist zwar groß, die Erkrankungsbereitschaft hingegen relativ gering. Jüngere Tiere sind wesentlich krankheitsanfälliger als erwachsene. Rüden erkranken häufiger als Hündin, man führt dies auf die Vorliebe der Rüden zurück, überall herumzuschnüffeln, vor allem dort, wo andere Hunde ihren Harn abgesetzt haben. Die Übertragung erfolgt in der Regel gar nicht mal durch die offensichtlich kranken Hunde, sondern vielmehr durch solche, die die Krankheit bereits überstanden haben oder die überhaupt nicht erkrankten, die den Erreger nur als „Wirt“ beherbergen. Eine Ausscheidung der Erreger kann noch Monate nach der Genesung erfolgen. Weitere Quellen einer Ansteckung lauern in Teichen, Tümpeln und Pfützen. Die Aufnahme der Erreger geschieht über die Schleimhäute oder auch über kleinere Verletzungen in der Haut. Auch Ratten und Mäuse sind häufige Träger des Erregers sowie Schweine, Pferde und Rinder der Vollständigkeit halber in Betracht gezogen werden müssen. Inkubationszeit: Wenige Tage bis zu zwei Monaten
Krankheitsbild: Jede Leptospirenart kann alle möglichen Krankheitserscheinungen auslösen und einen unterschiedlichen Verlauf der Krankheit bewirken. Die in den Körper eingedrungenen Erregen gelangen durch den Blutstrom in alle Organe des Körpers, mit Vorliebe bohren sie sich mit drehenden Bewegungen in Leber- und Nierengewebe ein. Je nach dem, welche Organschädigungen überwiegen, prägen sich verschiedene Krankheitsbilder aus. Zu Beginn der Erkrankung sind mehr oder weniger starke Störungen des Allgemeinbefindens und Temperaturerhöhungen zu beobachten. Teilnahmslosigkeit, häufiges Erbrechen und Durchfall kommen hinzu. Manchmal sind schwächen in der Hinterhand, besonders beim Treppensteigen, zu beobachten. Sie entstehen vermutlich durch Muskelschmerzen. Bei der gelbsüchtigen Form, kommt es schon nach kurzer Zeit auf Grund einer schweren Lebererkrankung zur Gelbsucht. Die Schleimhäute nehmen eine zitronen- oder orangegelbe Farbe an. Der ausgeschiedene Harn zeigt eine dunkelbraune, malzbierähnliche Farbe auf. Bei der Nierenform (=urämischen Form) der Leptospirose, stellt sich nicht selten eine Vergiftung des Körpers mit Stoffwechselproblemen (Urämie) ein. Die Körpertemperatur ist durch eine Stunden oder Tage andauernden Fieberschub gekennzeichnet, wie in den meisten Leptospirosefällen. Untertemperaturen sind ein besonders ungünstiges Krankheitszeichen. Hinzu kommen starker Durst, Brechreiz sowie in schweren Fällen Durchfall mit blutigen Stuhl. Schon nach kurzer Zeit können sich Zeichen der Harnvergiftung einstellen. Versagen beide Nieren versucht der Körper die angesammelten Stoffwechselschlacken über den Darm auszuscheiden. Als Folge hiervon entströmt dem Fang des Hundes ein übler, urinöser Geruch, und manchmal bilden sich auf der Mundschleimhaut kleine Geschwüre oder punktförmige Blutungen. Der Hund zeigt durch die Schmerzhaftigkeit der Erkrankung ein Aufziehen des Leibes und ein Krümmen des Rückens. Er bewegt sich steif und gespannt. Da in dieser Krankheitsphase kein Fieber mehr besteht, ist eine Beurteilung, ob die Nierenerkrankung auf einer Leptospirose beruht oder nicht, für den behandelnden Arzt nicht einfach. Erst nach einer Krankheitsdauer von wenigstens 10 Tagen können Blutuntersuchungen hierüber Aufschluß geben. Das Ergebnis der Blutuntersuchung erlaubt Rückschlüsse darauf, ob man es mit einer akuten oder chronischen Erkrankung zu tun hat. -Das Überstehen einer Leptospirose, vor allem wenn keine Behandlung erfolgt, hinterläßt nicht selten einen chronischen Nierenschaden, der sich manchmal erst nach Jahren unangenehm bemerkbar macht. Neben den geschilderten Krankheitsformen gibt es noch weitere, bei denen entweder Magen- und Darmstörungen vorherrschen oder die mit zentralnervösen Störungen einhergehen, wie wir sie von der nervösen Staupe kennen. Nicht weniger unterschiedlich ist der Krankheitsverlauf. Es ereignet sich gelegentlich, in besonders akuten Fällen, daß die Erkrankung innerhalb weniger Tage zum Tode führt. Die Behandlungsaussichten der akuten Leptospirose sind durch die heutigen Arzneien sehr gut, vorausgesetzt der erkrankte Hund gelangt möglichst umgehend in tierärztliche Hände.
Hinweise: Auch der Mensch bleibt von dieser Erkrankung nicht verschont, eine übertriebene Ängstlichkeit ist bei hinreichender Sauberkeit und Hygiene aber nicht angebracht. Nach der Berührung erkrankter Tiere Hände gründlich waschen und die Verunreinigung von Gegenständen und Kleidungsstücken mit Hundeurin vermeiden. Vorbeugung: Eine aktive Schutzimpfung ist, ebenso wie eine passive Immunisierung mit Serum, die einen sofortigen Schutz bietet, möglich.
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