Mein Wunsch nach einem neuen Bett

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Mein Weg ins „Rett-Land"

Meine Zeit im
Kindergarten

Mein „Wunsch" nach einem
neuen Bett

         

Hallo, ich möchte Euch gern eine Geschichte erzählen. Es geht um mein Bett und meinen Wunsch ein anderes Bett zu bekommen. Das war ganz schön schwer diesen Wunsch meinen Eltern klar zu machen. Aber nun mal der Reihe nach.


Wie viele andere Rett-Mädchen auch, bin ich Nachts manchmal ein wenig länger wach. Warum auch nicht? Wer hat eigentlich gesagt, dass man nachts schlafen soll und nicht spielen? Diese Wachphasen von 1 - 3 Stunden finden meine Eltern nicht so toll. Mama und Papa sagen: das führt zu akuten Schlafmangel bei uns allen, auch bei meiner kleinen Schwester Annika.


Am besten hat sich Annika mit dieser Situation arrangiert: sie schläft meistens einfach weiter, egal wie laut ich lache, spiele oder auch meckere. Und ich schlafe einfach am Tag ein bisschen mehr und hole mein Schlafdefizit auf. Da bin ich auch keinesfalls wählerisch, ich schlafe z.B. auf dem Fußboden. Auch der Geräuschpegel ist mir dabei ziemlich egal. Z. B. im Kindergarten konnte ich einwandfrei schlafen, auch wenn die anderen 14 Kinder laut um mich herum gespielt haben. Wenn man wirklich müde ist, dann geht das schon. Also Annika und ich haben keine Probleme mit Schlafdefizit. Aber Mama uns Papa kriegen das nicht so recht in den Griff. Ich weiß auch nicht warum. Kann man im Büro nicht so toll schlafen wie im Kindergarten?


Was soll ich sagen, Mama und Papa haben sich natürlich mal wieder etwas einfallen lassen. Meine Eltern haben Angst, dass ich bei meinen nächtlichen Wachphasen durch das Haus geistere. Dabei könnte ich z.B. die Treppe runterfallen und mich verletzen. O.k. da haben sie nicht ganz unrecht. Deswegen wurde in meiner Türzarge ein Türgitter befestigt, sozusagen eine Tür in der Tür. Das Türgitter wurde abends geschlossen, damit musste ich in meinem Zimmer bleiben. Prinzipiell ist das ja in Ordnung, aber manchmal fand ich das schon ziemlich doof. Dann bin ich richtig wütend geworden und manchmal habe ich es sogar geschafft das Türgitter rauszureißen, juhuu. Aber Mama und Papa haben es immer wieder fest gemacht, frust.


Aber das war noch längst nicht alles. Ich habe auch ein Pflegebett bekommen. Eins mit Türen, die man zu machen kann. Die wurden allerdings nur selten geschlossen, das finde ich nämlich äußerst doof. Wie würdet Ihr das denn finden? Da wacht man auf und möchte aufstehen und kommt nicht aus seinem Bett. Ganz schön blöd, oder? Also das haben Mama und Papa dann auch recht schnell verstanden und haben die Türen aufgelassen. Allerdings in den Nächten in denen ich eben nicht schlafen konnte, da haben sie die Türen zugemacht, damit ich in meinem Bett bleibe. Ich glaube, die meinten tatsächlich, ich würde dann schneller wieder einschlafen. Na, den habe ich es aber gezeigt. Macht ganz schön Lärm, wenn man mit der flachen Hand gegen das Plexiglas haut und an den Stäben rüttelt...


Eine ganz Zeit lang konnte ich mit diesem Bett ganz gut leben. Ich habe das Bett jetzt seit ungefähr einem Jahr. Mittlerweile schlafe ich eigentlich ganz gut und habe bestimmt seit mind. 4 Monaten keine langen Wachphasen gehabt. Da könnten meine Eltern doch mal von selbst auf die Idee kommen, dass ich das Bett nicht mehr brauche. Ich könnte doch auch ein ganz normales Bett wie Annika haben, oder??? Das wäre echt toll.




Doch wie sollte ich das meinen Eltern klar machen? Ich habe vorsichtig angefangen. Ich bin abends nicht mehr so gern und schnell nach oben zum Zähne putzen gegangen. Aber das haben meine Eltern nicht wirklich registriert. Tja, da blieb nur noch die harte Methode. Eines Abends habe ich meinen Eltern sehr deutlich gemacht, dass ich mit diesem Bett nicht mehr einverstanden bin. Ich haben ein Mega-Theater hingelegt: wollte nicht ins Bett gehen, haben gebrüllt und geweint. Meine Eltern haben versucht mich zu beruhigen. Ich hatte allerdings den leisen Verdacht, dass sie gar nicht verstehen warum ich so weine. Also habe ich gegen die Türen vom Bett gehauen und ihnen damit deutlich gemacht, dass ich diese Türen nicht haben will. Mama und Papa haben wir versprochen, dass die Türen aufbleiben. Aber das war mir nicht genug. Ich habe weiter geweint, bestimmt über eine halbe Stunde lang. Schließlich war es Papa zuviel und er hat einen Schraubenzieher geholt und die erste Tür abmontiert. Na, das hat doch geklappt. Also bin ich zur anderen Tür und habe auch daran gerüttelt. Papa hat auch die Tür abmontiert. Super, aber was ist mit den Seitenteilen?

Ich habe auch an denen gerüttelt. Papa hat mir versichert, dass er diese nicht abmontieren kann. Naja, zumindest konnte man die Türen jetzt nicht mehr zumachen. Ich habe dann noch ein wenig mit Papa gekuschelt und bin dann endlich eingeschlafen.


Mit dem umgebauten Bett konnte ich nun wieder eine zeitlang leben. Allerdings haben mich die Seitenteile immer noch gestört. Warum bekomme ich nicht ein ganz normales Bett??? Haben Mama und Papa das nicht verstanden??? O.k., dann musste ich es ihnen noch mal verdeutlichen. Ich habe Abends wieder meckernder Weise vor diesem Bett gestanden und habe mich schlicht weg geweigert in diesem Bett zu schlafen. Papa hat dann lange mit mir in meiner Kuschelecke (eine ausklappbare Matratze) gekuschelt. Als ich dann fast eingeschlafen war, wollte er mich doch glatt weg in mein Bett tragen. Ja, hatte er denn immer noch nicht verstanden? Ich habe wieder furchtbar geweint, dass ist aber auch wirklich frustrierend, wenn man nicht verstanden wird. Dann kam Mama und hat versucht mich zu beruhigen.


Ich habe immer wieder auf das Bett gezeigt und habe geweint. Endlich hat Mama das gesagt worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe: Melina wir haben es verstanden. Du möchtest ein anderes Bett. Ich verspreche Dir, wir kaufen Dir eine anderes Bett!


Juhuuu, endlich!!! Es war eine lange und schwierige Form der Kommunikation, aber es hat funktioniert. Meine Eltern haben verstanden was ich will. Ich schlafe jetzt jede Nacht in meiner Kuschelecke. Wir waren auch schon in einem Möbelhaus und haben uns Betten angeschaut. Ich bin mir sicher, dass ich bald ein ganz tolles Bett haben werde. Und dann werde ich endlich nicht mehr das Gefühle haben eingesperrt zu sein, dass mag ich nämlich gar nicht!!!


Übrigens hat Papa letztens doch tatsächlich mein Türgitter entfernt. Jetzt kann ich ganz alleine aus meinem Zimmer wenn ich wach bin, dass ist echt super sag ich Euch! Und ich schlafe fast jede Nacht durch. Wenn ich nachts mal wach bin rufe ich einfach. Mama oder Papa kommen dann und machen mir eine Cassette an (Bob der Baumeister, meine Lieblingsgeschichte zur Zeit) und ich kann dann wieder einschlafen.  Am Wochenende gehe ich jetzt ganz alleine zu meinen Eltern und krabbele zum Kuscheln zu ins Bett. Und wisst Ihr was? Ich glaube Mama und Papa genießen das genauso sehr wie ich.


Jetzt habt Ihr einen Eindruck bekommen wie schwer es für uns Rett-Mädchen ist unsere Wünsche mitzuteilen. Manchmal geht es leider nur in dem wir energisch werden!!!


Mein Alltag