Hallo, da bin ich endlich mal wieder. Ist schon lange her, dass ich von mir berichtet habe, es hat sich viel getan und möchte ich Euch gern davon erzählen:


In den Kindergarten gehe ich schon lange nicht mehr. Ich bin jetzt seit 2 Jahren ein Schulkind. Natürlich gehe ich nicht auf eine „normale" Schule, für Kinder wie mich gibt es besondere Schulen. Meine Schule nennt sich Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung.

In die Unterstufe gehen zur Zeit 14 Kinder mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen. Unsere Stufe ist in 2 Gruppen á 7 Kinder aufgeteilt. In den kleineren Gruppen können wir uns leichter konzentrieren. Durch die unterschiedlichen Einschränkungen können wir alle voneinander lernen, denn es gibt Dinge die kann einer gut, dafür kann er etwas anderes nicht so gut. Ich kann mir zum Beispiel bei den anderen Kindern abgucken wie die malen können, den Stift halten usw. Dafür kann ich besser laufen als andere Kinder, dass können die sich dann bei mir anschauen.

Die Unterrichtsfächer sind teilweise anders. Wir haben Musik und

Sport. Unsere Schule hat eine eigenes Therapie-Schwimmbad, d

eswegen habe ich auch jede Woche Schwimmunterricht. Der macht

mir super viel Spaß, schließlich liebe ich das Wasser, auch wenn das

mit dem Schwimmen wohl nicht klappen wird. Aber ich kann mich

mittlerweile ohne Schwimmflügel für 1-2 Minuten über Wasser halten.

Mama sagt immer: „Melina schwimmt nicht , die paddelt wie ein Hund."

- na und wenn schon, Hauptsache ich halte mich über Wasser.


Dann gibt es noch Fächer wie Gestalten und Vorhaben. Beim

Gestalten arbeiten wir mit Klebe, Schere, Malstiften… eigentlich

fast alles was zum Basteln erlaubt ist. Für mich ist das sehr schwierig. Ich schaue oft bei den anderen Kindern zu oder versuche mit Unterstützung eines Erwachsenen auch mal einige Sachen aus. Für mich ist Feinmotorik mit Händen immer noch eine große Herausforderung.

Im Vorhaben haben wir immer eine übergeordnetes Thema z.B. „Die kleine Raupe Nimmersatt", „Unsere Familie", „Weihnachten" oder „Frühling". Mit dem einzelnen Thema beschäftigen wir uns immer über einen längeren Zeitraum und machen unterschiedlich Dinge dazu. Übrigens wird dieses Thema auch immer in Gestalten mit behandelt, dort basteln wir dann entsprechende Dinge.

Zuletzt hatten wir das Thema „Unsere Familie". Da haben wir ein Memory, ein Mobile und ein Lottospiel mit Bilder unserer Familie gebastelt. In Vorhaben wir dann mit den Sachen gearbeitet. Ich habe zum Beispiel 3 Bilder hingelegt bekommen und musste auf Ansage das richtige Bild suchen. Das ist gar nicht so einfach. Ich muss mich dabei ganz doll konzentrieren und den Unterschied bei „Oma" und „Opa" zu hören ist auch schwer.

Morgens beginnen wir den Tag mit einem Morgenkreis. Da begrüßen wir uns alle und hören was wir heute machen. Wir hören nicht nur, sondern es gibt auch Bildkarten für die Unterrichtsstunden, Pausen und andere Aktivitäten. Die hängen wir Kinder dann an eine Tafel und haben den Tagesablauf somit immer sichtbar.  Mir hilft das sehr, denn ich mag strukturierte Abläufe. Mittlerweile weiß ich wie mein Schultag aussieht und kann mich gut orientieren.


Außerhalb der Schule hat sich auch einiges getan. Ich gehe zweimal in der Woche in eine Gruppenbetreuung der Lebenshilfe. Am Montag fahre ich direkt von der Schule mit den anderen Kindern zum Reiten.  Freitags fahren wir direkt in ein Schwimm- und Erlebnisbad. Das gibt mir die Möglichkeit auch meine Hobbys zu leben und mit anderen Kindern etwas gemeinsam zu unternehmen, so wie jedes andere 8-jährige Mädchen eben auch.


Reiten gehe ich für mein Leben gern. Ich genieße es auf dem Pony reiten zu dürfen, mag die Bewegung und die Nähe zum Tier. Montags bei der Lebenshilfe darf ich aber nicht nur reiten, sondern muss das Pony mit versorgen und wenn ein anderes Kind reitet, dann soll ich das Pony führen. Natürlich ist immer ein Erwachsener mit dabei. Wir teilen uns zu zweit ein Pony und haben auch zu zweit immer einen Betreuer, der uns hilft. Ich habe eigentlich nur Lust zum Reiten, das Führen und Pflegen des Ponys finde ich nicht so spannend. Aber da kennen die Erwachsenen kein Erbarmen, da muss ich durch. Manchmal mache ich mir aber auch ein Spaß daraus!!!!


Dann gibt es da noch ein ganz besonderes Pony in meinem Leben. Seit ca. 4 Jahren gehe ich noch einmal die Woche zu meinem „Bingo". Mit Bingo habe ich Einzeltherapie und das witzige daran ist, dass die Therapeutin meine ehemalige Kindergärtnerin ist. Ich genieße diese Reitstunden immer besonders, weil wir immer ganz viel Spaß haben. Mit Christine kann man einfach supertoll lachen.



Außerdem gehe ich noch einmal die Woche zur Krankengymnastik und einmal die Woche zur Logopädie. Klingt aber echt schlimmer als es ist, macht mir nämlich viel Spaß!


Ihr seht meine Woche ist ziemlich ausgelastet und das ist auch gut so. Wenn Ferien sind, dann fehlen mir meine Wochenaktivitäten ganz schön, denn dann gehe ich weder Reiten noch Schwimmen. Zum Glück bietet unsere Lebenshilfe auch Ferienprogramme an. Da kann man entweder tageweise an Aktivitäten teilnehmen oder ein paar Tage auf Freizeit wegfahren. An der Tagesaktivitäten machen wir so tolle Sachen wie Hansaland/Heidepark, Reittag, Spielplatz oder Schwimmen gehen.

Dieses Jahr fahre ich zum ersten mal 10 Tage mit auf eine Freizeit. Das Motto der Freizeit lautet diesmal „Spaß & Spiel", dass klingt doch so als sollte ich da jede Menge Spaß haben. Die meisten Betreuer kenne ich mittlerweile und auch fast alle Kinder die mitfahren. Ich war schon mal 5 Tage mit, die 10 Tage sind meine Premiere. Aber ich freue mich!!!



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